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Warum die Hidden Champions der Mittelständler aus der Deckung kommen müssen

Warum die Hidden Champions der Mittelständler aus der Deckung kommen müssen

Sind die so genannten „Hidden Champions“ die großen Gewinner des deutschen Mittelstands? Deutsche Unternehmen, die so bezeichnet werden können, sind bislang sogar weltmarktführend in ihrem Segment, häufig sogar ohne das zu wissen. Nein, (wir sagen,) Hidden Champions sind keine Gewinner. Sie stehen eher vor den Herausforderungen, ihre innovativen Errungenschaften auf ein höheres Level zu hieven, weil es oftmals an der richtigen Selbstvermarktung, dem entsprechenden Netzwerk, Fachkräften oder auch den finanziellen Mitteln fehlt. Oder manchmal auch an der Fähigkeit – trotz allem Willen – geschaffene Assets zu erkennen und sie für die Entwicklung des eigenen Geschäftsmodell zu verwerten.

 

 

Gehören Sie auch zu den “Hidden Champions“, den unbekannten Weltmarktführern oder heimlichen Gewinnern, wie sie der deutsche Unternehmensberater Hermann Simon, Vater des englischen Begriffs, ursprünglich genannt hat? Dann sind Sie nicht allein. Deutschland ist Weltmeister der Hidden Champions mit über 1.000 dieser meist inhabergeführten und zum gehobenen Mittelstand gehörenden Unternehmen. Nur in Fernost ist dieses Phänomen annähernd so stark ausgeprägt, was die chinesischen und koreanischen Wikipedia-Einträge erklärt, übrigens die einzigen neben den deutschen und englischen.

 

 

Beispiel EMS-Star Katek

 

Viele der Hidden Champions haben sich mit eher unscheinbaren Produkten oder Services auf dem Weltmarkt eine absolute Nische oder Spitzenposition geschaffen. Es können aber auch Unternehmensbereiche oder Tochtergesellschaften sein, die sich als Hidden Champion erweisen. Die oberbayerische Katek GmbH aus Grassau südlich des Chiemsees zum Beispiel.

Kartek Beitragsbild 1 - Quelle: Kartek

Katek hat sich dank eigener Software-Entwicklung eine Spitzenposition auf dem Weltmarkt geschaffen (Quelle: Katek)

Mit einem Umsatz von rund 150 Millionen Euro ist sie einer der Top 10 der deutschen Elektronikfertiger (EMS) in Sachen Qualitätssicherung, Agilität & Customizing. Sie beliefert von der Automobilindustrie über Telekommunikation, Consumer-Electronics und Medizintechnik die unterschiedlichsten Branchen weltweit. Dank eigener Software-Entwicklung zum Testen der Platinen für Kühlschränke und beliebige IoT-Anwendungen etwa ist die ehemalige Kathrein-Tochter auch in der Lage, neue Geschäftsmodelle zu kreieren, ein weiteres Merkmal vieler heimlicher Gewinner.

 

Andere Beispiele sind Firmen, die plötzlich – etwa bei Prozessumstellungen im Rahmen der eigenen Digitalisierung – die Fähigkeit erwerben, Standarddienstleistungen als Service („as a Service“) anzubieten, die den Einkauf und Vertrieb, die Abrechnung und Projektierungen auf völlig neue Füße stellen.

Oder auch solche, die den wichtigen Bereich der Qualitätssicherung und die Wertschöpfungskette digitalisiert haben, etwa auf Basis zahlreicher eigener Softwareentwicklungen. Denn daraus können wiederum weitere neue Geschäftsmodelle entstehen, etwa durch die Möglichkeit, Kunden maßgeschneiderte Produkte anbieten zu können.

 

Manche dieser Hidden Champions sind allerdings so sehr in ihren traditionellen Bahnen verhaftet, dass sie trotz dieser neuen Kompetenzen Schwierigkeiten im Highend-Segment bekommen können, etwa weil ihr Vertrieb und Marketing noch nicht entsprechend reif sind.

High Potentials bleiben oft fern

Häufig ist auch die Herausforderung der Hidden Champions, dass sie nicht das nötige Netzwerk, Kapital und über die High Potential Manpower verfügen, um die weitere Digitalisierung und Vermarktung neuer Geschäftsideen voranzutreiben. In ländlichen Regionen können sie für ihre mitunter hochspezialisierten Berufsfelder auch oft nur lokale Mitarbeiter gewinnen und müssen entsprechend viel in Schulungen und Weiterbildung investieren.

 

Bei Katek sind es rund 500 Beschäftigte in Grassau und 300 im westungarischen Györ. Katek zählt zu den Top 10 der deutschen EMS-Dienstleister. Anfang Mai 2018 wurde das Unternehmen im Zuge der laufenden Restrukturierung bei Kathrein an die Münchner Beteiligungsholding PRIMEPULSE veräußert und damit ging es noch einmal eine Stufe höher für die Grassauer.

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Katek zählt zu den Top 10 der deutschen EMS-Dienstleister (Quelle Katek)

Kein Rütteln am Management

 

Der PRIMEPULSE-Mitgründer und CEO Klaus Weinmann, der vor über 25 Jahren das im TecDAX gelistete Münchener IT-Systemhaus CANCOM gegründet hat, sieht die Investition als strategische Partnerschaft und betont, dass er am „erfahrenen und motivierten Management-Team“ in Grassau nicht rütteln wolle. Durch den Kauf der Katek Gruppe soll sich auch sonst nichts ändern. „Mit unserer Beteiligung kommen wir unserem Ziel, in die Top drei der deutschen Elektronik-Dienstleister aufzusteigen, einen großen Schritt näher“, wird Weinmann von dem Oberbayerischen Volksblatt zitiert. Zusammen mit der kurz zuvor übernommenen Steca Electronic aus Memmingen ergeben sich mit Katek wertvolle Synergien.

Klaus Weinmann zu Hidden Champions

„Wir sind die Guten“

 

Private-Equity- oder Beteiligungsgesellschaften sind durch Hollywood-Filme wie „Wall Street“ oder „Pretty Woman“ und durch die 2006 von dem damaligen SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering losgetretene “Heuschrecken-Debatte“ zu Unrecht in Verruf geraten. Dabei bilden sie mit außerbörslichen Investitionen von 11,3 Milliarden Euro eine wichtige Stütze der deutschen Wirtschaft.

Weinmann sieht durchaus die Gefahr drohender Übernahmen durch so genannte Corporate Raider, wehrt sich aber gegen eine Verallgemeinerung und betont: „PRIMEPULSE verfolgt hier einen anderen Ansatz. Wir wollen auch niemanden überrollen, sondern Unternehmen helfen, sich selbst zu helfen, gegebenenfalls die Nachfolge zu regeln, und aus der Bedeutungslosigkeit eines Hidden Champions heraus auf ein neues Niveau zu kommen. Denn ohne die nötige Digitale Transformation werden viele der mittelständischen Unternehmen keine Zukunft haben.“

 

Quelle Titelbild: iStock/Eoneren

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